Ein Interview mit Chris Marshdurchgeführt vom Reiki Council in
England Durch Kontakte in Japan, vor
ungefähr 10 Jahren, traf Chris Marsh einige direkte Schüler von Mikao Usui und
seine Erfahrungen werden in diesem Zusammenhang häufig zitiert. Hier spricht er
über diese 40jährige spirituelle Reise, die ihn, einen angehenden kirchlichen
Geistlichen, dahin führte, ein schamanisch buddhistischer Lehrer zu werden. Er
sagte, dass wir alle fähig seien uns selbst zu heilen, aber oft einfach
vergessen wie es geht. Was war deine erste Erfahrung mit
Reiki? Als ich begann Reiki zu lernen,
war es aus Neugier. Über die Jahre hatte ich viele Erfahrungen mit der
japanischen Kultur. Aber zuerst war ich einem Reiki ausgesetzt, das nicht
japanisch war. Da war ein seltsamer Anteil der japanischen Sprache und
Erwähnungen von japanischer Kultur, aber es fühlte sich so komplex an, es
fühlte sich nicht richtig an, es hatte nicht diesen Geschmack von verhaltener
Eleganz (Shibumi), die das Erkennungsmerkmal von allem Japanischem ist. Ich
lernte Reiki 1 und 2 und Meister bei einem Lehrer. Was war deine erste Erfahrung mit
dem Buddhismus? Die Wurzeln meiner Bekehrung zum
Buddhismus wurden gesät als ich zwischen 16 und 17 war und das erste Mal nach
Japan kam. Mein Kampfkunst-Lehrer war Buddhist und ich fand seine
Persönlichkeit sehr attraktiv. Mit der Zeit begann interessanterweise mein
eigener Weg davon abweichen. Und mit 18 ging ich zur Universität um kirchlicher
Geistlicher zu werden. Während ich Theologie studierte, nahm ich die Option zu
einem Kurs in vergleichender Religion wahr. Jiyu-Kennett, eine englische Frau,
die nach dem Krieg nach Japan ging und eine Zen-Buddhistische Nonne wurde, war
eine der Gast-Dozenten. Sie war als Frau die erste Leiterin eines japanischen
Ordens. Ich war überwältigt von ihr. Ich wollte, was sie hatte. Ebenso
ist mir viel Zeug gelehrt
worden während ich Kopien der Dokumente von
Kodexen und Evangelien in aramäisch und griechisch anschaute. Ich
konnte nicht
erkennen, wie das was uns gelehrt wurde von dem ausgegangen sein sollte
was ich
nun las. Es war die Machtergreifung der Christen durch die Politik
Roms. Ich
entschied mich dazu nicht ordiniert zu werden. Ich beendete das
Theologiestudium und entschied mich dazu ein Buddhist zu werden. 30
Jahre danach
bin ich nun dort wo ich jetzt bin. Hauptsächlich habe ich Zen studiert
aber
nebenher steckte ich meine Nase in viele Buddhistische Stile. Die
Eigenheit des
Theravada Buddhismus sprach mich an. In den letzten zehn Jahren war ich
aber mehr an
den japanischen Formen des Reinen Landes, Tendai, Shingon, interessiert. Du erwähntest, dass dein
Kampfkunst-Lehrer einen Schlüssel-Einfluss zu dieser Reise hatte? Ja.
Ich habe Kampfkünste erlernt
seit ich sieben Jahre alt war, 1959. Ich besuchte zwei Jahre lang einen
Judoverein, begann dann mit Kendo [Schwertkunst] und danach arbeitete
ich mit einem echten Schwert.
Mein erster Lehrer was englisch, aber ich entschied mich, dass die
einzige
Möglichkeit weiterzukommen die sei, wenn ich nach Japan gehen würde um
jemanden zu finden, der mich das Schwert lehren könne und den Weg ein
Samurai
zu werden. Also ging ich als Jugendlicher in den 60ern nach Japan, auf
eigene
Faust. Ich sprach die Sprache nicht und hatte keinen Lehrer. Ich musste
einen
finden und ihn überzeugen, dass ich würdig war gelehrt zu werden. Ich
fand den
Lehrer und überzeugte ihn dadurch mich zu lehren indem ich für fünf
Tage und
Nächte regungslos vor dem Dojo [Übungshalle] verharrte. Am Ende
kapitulierte er. Im ersten
Monat kehrte ich nur den Flur des Dojo und wusch die Uniformen der
Schüler.
Nach einem Monat begann der Lehrer mich zu unterrichten. Und er war es
der den
Samen säte. Die Kampfkünste hatten einen
massiven Einfluss auf mich. Sie gaben mir Selbstkontrolle. Sie lehrten mich, dass
der Unterschied zwischen Leben und Tod nur durch den Bruchteil einer Sekunde
voneinander getrennt sind. Die Kampfkünste lehren dich Respekt und Disziplin.
Sie lehren dich deine Stärken und Schwächen. Du lernst ebenso etwas über Energie und
das Mobilisieren von Energie. Du entwickelst die Wahrnehmung, dass wir auch
weitere Sinne haben als die offensichtlichen. Welchen Einfluss hat der
Buddhismus auf dein Leben? Der Buddhismus half mir mit
Zeitpunkten von Ereignissen in meinem Leben auf eine Art umzugehen, wie ich es
anders nicht hätte tun können. Er ermöglichte mir mit dem ganzen Prozess von
Kummer und Trauerfall auf eine sehr ruhige Weise umzugehen. Ich kam an einen
Punkt an dem es kein Kummer oder Verlust mehr war; es war Dankbarkeit, dass das
was ich verloren hatte ein Teil meines Lebens gewesen ist. Welches sind deine Linien in
Reiki? Es gibt drei, die ich in Anspruch
nehmen könnte. Ich könnte Usui und Suzuki san in Anspruch nehmen. Aber dies ist
keine wahre Linie, weil sie eine Frau ist und es Begrenzungen für das gab, was
sie lehrte. Meine wahre spirituelle Linie
beinhaltet 16 Namen. Innerhalb dessen ist die Person, von der ich Grund habe zu
glauben, dass sie Usui lehrte. Sie ist näher an der Quelle, vielmehr als nur
näher zu Usui und es ist keine Reiki-Linie. Meine westliche Reiki-Linie
beinhaltet Bethel Phaigh und William Rand. Was waren die wichtigsten Punkte
deiner Reise? Sechs Jahre zuvor hatte ich einen
„ich hab’s“ Moment. Ich war in eine Form der spirituellen Praxis initiiert und
darin war alles enthalten. Ich organisierte es durch die Aufzeichnungen der
Linie zu schauen und fand heraus wo Usui der Schüler eines Lehrers war und
plötzlich ... machte alles Sinn. Von da an folgte ich diesem Weg.
Es ist nicht Reiki. Es ist älter als Reiki. Es hat eine Reinheit und
Einfachheit, die das westliche Reiki nicht hat. Es geht nicht darum einen drei
Tage-Kurs zu machen und ein „Meister“ zu sein. Es geht darum zu lernen dich
über eine Vielzahl von Jahren selbst zu meistern. Da bin ich nun bei. Etwas über Usuis Leben
herausfinden zu wollen, gleicht dem Verfolgen von Schatten. Er ist nur in einer
Handvoll von Dokumenten in Japan erwähnt. Herauszufinden wie er war, wo er war,
das war meine Arbeit der letzten zehn Jahre. Spielt es eine Rolle welchem Typ
einer Religionspraxis Usui folgte? Ich denke Usui schaffte es die
Elemente von Tendai und Shingon Buddhismus herauszuarbeiten. Zur Zeit Usuis und
zu einem bestimmten Grad auch heutzutage, bedeutet Sektentum in Japan nichts.
Du konntest zum Beispiel Shintoist und Buddhist sein. Da ist kein Paradoxon. Du
gehst auf Nummer sicher. Die Unterschiede zwischen Shingon und Tendai sind
subtil. Shingon ist mystischer. Tendai war die Staatsreligion – es hat eine
mehr rituelle Aufmachung. Es gibt Unterschiede zwischen Methoden und
Persönlichkeiten, wie zwischen Kukai [Gründer des Shingon-Buddhismus] und
Saicho [Gründer des Tendai-Buddhismus]. Aber beide lernten von den selben
Leuten und studierten an den gleichen Orten. Aber Tempel-Buddhismus ist nicht
der gelebte Buddhismus. Wahrer Buddhismus ist das was Menschen jeden Tag in der
Lehrer-Schüler-Beziehung, wenn gelehrt wird, erfahren. Die Essenz dessen woher
Reiki kommt, ist in der Praxis zu finden, die einfach das fortsetzt, wo
Buddhismus und Shinto und Schamanismus sich treffen. Ich denke nicht, dass Usui ein
ungewöhnlicher Mensch war. Ich glaube er war ein gewöhnlicher Mann, der
ungewöhnliche Erfahrungen hatte. Auf die gleiche Weise werden wir nicht
besonders weil wir Reiki praktizieren, wir sind sowieso in jeder Hinsicht
besonders. Was ist für dich die Essenz von
Reiki? Balance zu erschaffen wo Chaos
herrscht. Dich selbst kennen zu lernen ist das Herz von allem. Es ist das Herz
von Reiki. Das Ego hat keinen Platz in Reiki. Wenn dort keine Stabilität, Ruhe,
kein Frieden ist, dann verabschiede dich. Natürlich, wenn du den Deckel deines
Selbst anhebst, kannst du eine Kanne mit Würmern finden. Aber du kannst eine
Menge Dinge dort finden, die du ändern kannst. Was ist die Essenz eines
Reiki-Praktizierenden? Es gibt die Annahme, dass ein
Reiki-Praktizierender ein Heiler sei und das bestreite ich. Der
Reiki-Praktizierende ist einer, der Heilung erleichtert. Wir können die Rolle
des Reiki-Praktizierenden verwirren und sie eigenwillig missverstehen. Es ist der Klient, der sich selbst
in Kombination mit seiner Natur heilt. Die Hilfe des Reiki-Praktizierenden gibt
ihm die Erlaubnis dafür. Menschen sind es oft gewohnt im Außen nach Lösungen zu
suchen. Reiki-Praktizierende geben ihnen die Erlaubnis nach innen zu schauen
und sich selbst zu heilen. Wir alle sind fähig uns selbst zu heilen. Wir haben
nur vergessen wie das geht. Wenn ein Praktizierender die
Einstellung hat „Du kommst zu mir und ich werde dir helfen es besser zu
machen“, dann erschafft er Karma. Niemand von uns hat das Recht sich in
irgendjemanden einzumischen. Alles was wir im Leben tun hat eine Auswirkung. Unser Job ist es offen zu sein, zu
erleichtern, zu lenken, aber nicht zu tun. Wenn eine Person an der Energie
eines anderen herumpfuscht, dann erschafft sie eine Übertragung und der Klient
kann eine unangemessene Anhaftung entwickeln. Da gibt es eine wirklich gute
Geschichte über einen Zen-Lehrer. Dieser Lehrer hatte einen Garten
im Tempel. Dort waren Mönche und Schüler aus Amerika. Der Lehrer wollte einen
Stein bewegen, der dort bereits seit 1000en von Jahren war. Die Mönche und
Schüler versuchten ihn zu bewegen, aber sie hatten keine Chance. Die Schüler gingen fort zum Essen.
Als sie zurückkamen hatte der Stein sich bewegt. Sie konnten die Spuren sehen,
die der Stein hinterlassen hatte und fragten den Lehrer wie er es getan hatte.
Seine Antwort war einfach: Ich bat den Stein sich zu bewegen. Wie würdest du Energie erklären? Energie ist das was alles
erschafft. Ziegel, Mörtel, Bäume, Tiere. Den ganzen Planeten, die Kraft hinter
der Schöpfung. Es ist die treibende Kraft und die geschlossene Kraft hinter
allem. Bei allem bedeutet es zu lernen wie sie zu nutzen ist. Lerne von
jemandem der weiß wie man es korrekt und sicher tut. Wenn wir uns in die
Energetische Welt hineinwagen, wagen wir uns zu einem Ort vor, an dem Dinge
erschaffen werden. Was lehrst du derzeit? Buddhismus. Schamanischen
Buddhismus. Es ist eine Tradition, die zu den Wurzeln des Buddhismus in Japan
zurückgeht und Elemente des Buddhismus und Shinto kombiniert. Es ist harte
Arbeit und Teile der Praxis sind physisch anstrengend. Viele der Lehren und
Praktiken werden wann immer möglich draußen in der Natur praktiziert. Die Lehren sind eine direkte
Übermittlung. Nichts ist aufgeschrieben und es gibt keine Stufenleiter. Es ist
das Gegenteil. Es ist eine fließende Praktik. Da sind keine Grade oder eine
Serie von Toren zu durchschreiten. Da ist ein Bewusstsein der Beziehung
zwischen Lehrer und Schüler. Zwei Schüler, die zur gleichen Zeit beginnen,
entwickeln sich auf ihre eigene Weise weiter und in ihrer eigenen
Geschwindigkeit und ihre Praxis wird individuell für sie sein und ihre
individuellen Geschenke widerspiegeln. Es löscht „die Kunst anderen immer um
eine Nasenlänge voraussein zu wollen“ aus. Menschen können sich weit von
ihrer Bequemlichkeits-Zone entfernen aber es ist eine gewaltige Lektion in
Bewusstsein, dass was immer wir tun, sich auf unsere Welt und unsere Umwelt
auswirkt. Wir arbeiten mit den Elementen, mit dem Selbst als dem sechsten und
letzten Element. Alles was du tust, muss in einem Bewusstseins-Zustand getan
werden. Wie würdest du all das mit Reiki
in Verbindung bringen? Ich würde sagen, dass was auch
immer Menschen in Reiki und in ihrem Leben tun, aus Mitgefühl geschehen sollte.
Das ist wichtig, dass nicht die Bedürfnisse anderer Menschen mit deinen eigenen
Wünschen vermischt werden. Das Mitgefühl bedeutet zu sitzen und zuzuhören und
einen Raum zu erschaffen in dem die Person einfach sein kann. Menschen können
das Leben als Kampf empfinden. Du erschaffst einfach ein Umfeld in dem sie sein
können. Sie können dort sitzen und den Druck loslassen, der das Leben so
ungemütlich für sie macht. Hoffnungsvoll können sie erkennen, was sie für ihre
Änderung benötigen. Was denkst du, sollte in ein
Reiki-Training integriert werden? Ein Verständnis, dass es manchmal
die richtige Aktion ist nichts zu tun. Und die Idee, dass wenn wir Reiki geben
es die einzige Absicht sein sollte, dass der Klient bekommt was immer er
braucht und nicht das was wir denken er benötigen würde. Wenn nichts zerbrochen
ist, versuche es nicht zu flicken. Die Politik und Machtkämpfe und
der Konfessionalismus, der Schutz gegen die Konkurrenz die wir im modernen
Reiki sehen, erfüllen mich mit Traurigkeit. Sie sind nicht das worum es geht.
Da sind zu viele Menschen mit grober finanzieller emotionaler und persönlicher
Geldanlage in ihrer Version der Wahrheit. Was ist das Ungewöhnlichste, das
du jemals gesehen hast? Das möglicherweise Wichtigste und
Signifikanteste war es, als ich eine Gruppe lehrte und versuchte ihnen beizubringen,
dass wenn sie jemandem Reiki gaben, sie physisch nichts tun müssten. Dass die
Absicht: „Dass die Person bekommt, was immer sie braucht“ genügt. Man findet Menschen die Heiler sind, die fähig sind einfach unmöglich erscheinende physikalische Leistungen zu vollbringen und die das Übliche und Normale transzendieren können. Ich fühle, dass es deshalb so ist, weil sie ein Tor in sich geöffnet haben, zwischen sich selbst und jeder anderen lebenden Form, und dieses Tor befähigt sie Dinge auf eine ganz andere Weise wahrzunehmen und Handlungen durchzuführen.
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